Glanzvolles Jahresschlusskonzert in der Lisdorfer Kirche
In einer Zeit, in der die Tage kürzer werden und die Welt sich nach Wärme, Licht und Gemeinschaft sehnt, öffnete das diesjährige Jahresschlusskonzert der „Chorgemeinschaft MGV 1859 Lisdorf“ und des Fördervereins „Klingende Kirche“ seine Türen und die Herzen aller Anwesenden. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher strömten zusammen und füllten den Kirchenraum bis zum allerletzten Platz, um sich von der Musik tragen zu lassen, die nicht nur den Advent feiert, sondern auch die Sehnsucht nach Frieden, Hoffnung und innerer Einkehr zum Klingen bringt. Schon beim Betreten der schmucken Lisdorfer Kirche verspürte man eine besondere Atmosphäre – eine Mischung aus festlicher Erwartung und stiller Vorfreude. Dieses Konzert versprach nicht nur musikalische Höhepunkte, sondern auch Momente des Innehaltens, des Staunens und des gemeinsamen Erlebens.
Den musikalischen Auftakt gestaltete Tobias Rihm an der Orgel, der mit „Der Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (Arr.: J. Scott) ein kraftvolles und zugleich filigranes Klangbild zeichnete. Die Orgel, oft als Königin der Instrumente bezeichnet, entfaltete hier ihre ganze Pracht: Frostige Läufe, schneidende Rhythmen und warme harmonische Bögen ließen die Zuhörer unmittelbar in die winterliche Szenerie eintauchen. Rihms Interpretation verband technische Brillanz mit feinem Gespür für Atmosphäre – ein Auftakt, der die Zuhörer sofort in seinen Bann zog.
Der Lisdorfer Frauenchor „Chorifeen“ setzte das Programm unter der gekonnten Dirigentschaft von Maximilian Argmann mit einer Auswahl an adventlichen und vorweihnachtlichen Chorsätzen fort. Mit „Deck the Halls with Boughs of Holly“, „Tausend Engel singen Halleluja“ und „Im Dunkeln naht die Weihnacht“ präsentierten die Sängerinnen ein Repertoire, das von festlicher Ausgelassenheit bis zu inniger Besinnlichkeit reichte.
Die klaren Stimmen des Chores erfüllten den Raum mit einer Leichtigkeit, die zugleich tröstend und erhebend wirkte. Besonders die fein abgestimmten Harmonien und die dynamische Gestaltung zeugten von einer großen musikalischen Präzision und intensiver Probenarbeit.
Nach einem weiteren Orgelstück von Tobias Rihm – dem Präludium über „O komm, o komm, Emmanuel“ – setzte der HardChor mit seinem Dirigenten Stefan Dolibois einen deutlichen Kontrast zu den überwiegend klassischen Teilen des Abends. Mit „Wir sind die Welt“, „Heal the World“ und „Bridge over Troubled Water“ präsentierte der Chor moderne Werke, die nicht nur musikalisch anspruchsvoll sind, sondern auch starke Botschaften transportieren: Solidarität, Mitgefühl und Menschlichkeit. Die Arrangements von P. Thibaut und P. Schnur verliehen den weltberühmten Hits von Michael Jackson und Paul Simon eine neue, chorspezifische Tiefe, die u. a. durch den Solisten Andreas Thiry gekonnt, ausdrucksstark und überzeugend untermalt wurde. Die Darbietungen wirkten kraftvoll, authentisch und bewegend. Entsprechend dem Konzertprogramm „Frieden auf Erden“ vermittelten die engagierten Sänger der begeisterten Zuhörerschaft diesen Appell in musikalisch beeindruckender Weise.
Überzeugend agierte dann auch „Chorifeen“ -Chorleiter Maximilian Argmann, der als Bariton in harmonischer Begleitung durch die Pianistin Dahyun Park Kostproben seines überragenden gesanglichen Könnens gab. In seinen exzellenten Liedvorträgen interpretierte er die vorweihnachtlichen Tonschöpfungen „Die Könige“ von Peter Cornelius, „O du mein holder Abendstern“ von Richard Wagner und „Ridonami la calma“ von Francesco Tosti. Seine Darbietungen verbanden technische Souveränität mit emotionaler Tiefe. Besonders der „Abendstern“ aus Wagners „Tannhäuser“ berührte das Publikum spürbar – ein Moment, in dem Musik und Raum zu einer Einheit verschmolzen.
Der traditionelle Männerchor der Chorgemeinschaft Lisdorf, ebenfalls unter dem Dirigat von Stefan Dolibois, setzte das Konzert mit zwei überaus melodiös vorgetragenen adventlichen Liedern fort, wobei die Chorsätze „Tochter Zion“ von Georg Friedrich Händel und „Maria durch ein Dornwald ging“ der gebannten Zuhörerschaft eine besinnliche Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest verkündeten. Einen besonders festlichen Abschluss seines Konzertteils setzte der Chor mit seiner erstmaligen Aufführung der Ballade „Jerusalem“ von Stephen Adams, die im Jahre 1892 unter dem Titel „Die Heilige Stadt“ komponiert wurde. Die Sänger präsentierten dieses weltweit geschätzte religiöse Werk festlich strahlend, ließen aber auch Raum für die in sich ruhenden und nachdenklichen Momente der Komposition. Die kraftvollen Männerstimmen erfüllten, untermalt durch die angepasste orgelmusikalische Begleitung durch Tobias Rihm, den Kirchenraum mit einer ergreifenden Präsenz, die die musikalische Vielfalt des Chores eindrucksvoll verdeutlichte.
Stimmungsvoll trug sodann Tobias Rihm auf der Orgel die beschwingte „Schlittenfahrt“ von Leroy Anderson (Arr.: T. Trotter) vor, die eine heitere Leichtigkeit in das anspruchsvolle Konzertprogramm zauberte. Die rhythmische Präzision und der spielerische Charakter des Stückes sorgten für ein Schmunzeln im Publikum.
Zum Abschluss vereinigten sich alle drei Chöre der Lisdorfer Chorgemeinschaft um den Altar und präsentierten das „Vater unser“ von Hanne Haller (Arr.: P. Thibaut/P. Schnur) in einer beeindruckenden Darbietung. Dieser gemeinsame Ausklang des außergewöhnlichen Konzerterlebnisses bildete einen würdigen, feierlichen Höhepunkt der Veranstaltung. Die 70 Stimmen verschmolzen zu einem warmen, getragenen Klang, der den Kirchenraum erfüllte und einen großen Moment der Stille und Andacht entstehen ließ. Es war ein Abschluss, der nicht nur musikalisch beeindruckte, sondern auch die Botschaft des Abends zusammenfasste: Durch die Kraft der Musik Gemeinschaft finden und Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenfinden schaffen.
Das Lisdorfer Jahresschlusskonzert zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und verbindend Musik sein kann. Von barocken Klängen über traditionelle Chorsätze bis hin zu modernen Popsongs spannte sich ein Bogen, der alle Generationen und Geschmacksrichtungen erreichte. Die Mitwirkenden schenkten dem Publikum nicht nur musikalische Qualität, sondern auch Momente des Innehaltens, der Freude und der Besinnung. So wurde dieser Abend zu einem besonderen Erlebnis, das weit über die Musik hinauswirkt – ein Lichtpunkt in der Vorweihnachtszeit, der auch darüber hinaus nachklingen wird.
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